Wenn Sie ein PDF auf Barrierefreiheit prüfen, brauchen Sie zwei Arten der Kontrolle: eine automatische technische Prüfung und eine manuelle Prüfung mit menschlichem Urteil. Kontrollieren Sie zuerst Tag-Struktur, Dokumenttitel und Sprache. Führen Sie danach eine PDF/UA-Prüfung für maschinell testbare Strukturregeln durch. Prüfen Sie anschließend Lesereihenfolge, Alternativtexte, Überschriften, Tabellen, Links und die tatsächliche Nutzung mit assistiven Technologien.
1. Prüfen Sie, ob das PDF getaggt ist
Tags bilden die strukturelle Ebene, die assistiven Technologien erklärt, welche Bedeutung Inhalte haben. Ein getaggtes PDF kann Überschriften, Absätze, Listen, Tabellen, Abbildungen und andere Elemente unabhängig von ihrer visuellen Position kennzeichnen. Ohne diese Struktur erhält ein Screenreader im ungünstigsten Fall nur positionierten Text und Grafiken.
Die erste Frage lautet deshalb: Besitzt das Dokument überhaupt eine brauchbare Tag-Struktur? Fehlt sie, lösen kleinere Metadatenkorrekturen die wichtigste Barriere nicht. Wenn die Quelldatei noch vorhanden ist, ist es in der Regel sinnvoller, die Quelle zu korrigieren und erneut als getaggtes PDF zu exportieren, als ein ungetaggtes Ergebnis als fertiges Dokument zu behandeln.
Wenn ein Validator meldet, dass das PDF zwar als getaggt gekennzeichnet ist, aber keine nutzbare Struktur besitzt, erklärt der Ratgeber Fehlermeldungen bei getaggten PDFs die häufigsten Ursachen und nächsten Schritte.
2. Kontrollieren Sie Dokumenttitel und Sprache
Das Dokument sollte einen sinnvollen Titel und eine festgelegte Sprache enthalten. Diese Eigenschaften sind kleiner als die Tag-Struktur, beeinflussen aber, wie assistive Technologien das Dokument ankündigen und aussprechen. Ohne Titel kann statt einer verständlichen Bezeichnung nur der Dateiname vorgelesen werden; ohne Sprache können falsche Ausspracheregeln verwendet werden.
Diese Punkte eignen sich für eine frühe Prüfung, weil sie objektiv und nach einer Änderung leicht erneut kontrollierbar sind. Sie zeigen außerdem, dass PDF-Barrierefreiheit nicht nur das sichtbare Seitenbild betrifft: Wichtige Informationen liegen in der internen Struktur und den Metadaten.
3. Führen Sie eine technische PDF/UA-Prüfung durch
PDF/UA (ISO 14289-1) definiert Anforderungen an barrierefreie PDF-Dateien. Ein PDF/UA-Validator kann zahlreiche Regeln prüfen, die sich mit bloßem Hinsehen nicht zuverlässig beurteilen lassen: zum Beispiel, ob sichtbare Inhalte mit dem Strukturbaum verbunden sind, Rollen und Beziehungen gültig sind, Annotationen korrekt getaggt wurden und notwendige Metadaten vorhanden sind.
PDFChecks verwendet für die optionale Vollprüfung veraPDF und übersetzt maschinell testbare Befunde in verständliche Hinweise. Die Vollprüfung geht tiefer als der lokale Schnell-Check. Deshalb wird die Datei dabei über eine verschlüsselte Verbindung zum EU-gehosteten Dienst übertragen. Die Oberfläche weist vor dem Upload ausdrücklich auf diesen Wechsel hin.
Ein bestandenes automatisches Ergebnis ist keine Zertifizierung. Ein Validator kann belegen, dass maschinell testbare Regeln bestanden wurden; er kann aber nicht jede Frage zu Bedeutung, Qualität und tatsächlicher Nutzung entscheiden.
4. Prüfen Sie die Lesereihenfolge manuell
Das visuelle Layout beweist keine logische Lesereihenfolge. Mehrspaltige Seiten, Seitenleisten, Infokästen, Kopf- und Fußzeilen oder frei positionierter Text können auf dem Bildschirm korrekt wirken und beim linearen Vorlesen trotzdem eine verwirrende Reihenfolge ergeben.
Kontrollieren Sie die Reihenfolge, die assistive Technologien erhalten. Überschriften sollten den folgenden Inhalt einleiten, Listen zusammenbleiben und Beschriftungen bei den zugehörigen Abbildungen oder Tabellen stehen. Wiederholte dekorative Elemente sollten den eigentlichen Lesefluss nicht unterbrechen. Die richtige Reihenfolge hängt vom Inhalt ab und benötigt deshalb menschliches Urteil.
5. Prüfen Sie Überschriften, Listen und Tabellen auf ihre Bedeutung
Eine Überschrift sollte in der Tag-Struktur tatsächlich als Überschrift gekennzeichnet sein und nicht nur groß oder fett aussehen. Die Überschriftenebenen sollten die inhaltliche Hierarchie wiedergeben. Listen brauchen eine echte Listenstruktur statt einzelner Absätze mit manuell eingegebenen Aufzählungszeichen.
Tabellen benötigen besondere Aufmerksamkeit. Kopfzellen müssen erkennbar sein und mit den Daten zusammenhängen, die sie beschreiben. Einfache Tabellen lassen sich oft schnell prüfen; komplexe Tabellen mit mehreren Kopfebenen oder unregelmäßigem Aufbau sollten zusätzlich mit assistiven Technologien getestet werden.
6. Prüfen Sie Bilder und Alternativtexte
Automatische Werkzeuge können häufig erkennen, dass einer Abbildung ein Alternativtext fehlt. Ob ein vorhandener Text wirklich hilfreich ist, können sie jedoch nicht zuverlässig entscheiden. Die passende Beschreibung hängt vom Zweck der Abbildung ab. Ein Diagramm muss möglicherweise die entscheidende Entwicklung vermitteln, ein funktionales Symbol seine Aktion und ein rein dekoratives Bild sollte unter Umständen gar nicht vorgelesen werden.
Lesen Sie den Alternativtext im Kontext. Erhält eine Person, die das Bild nicht sehen kann, die Information, die zum Verständnis des umgebenden Inhalts notwendig ist? Vermeiden Sie Beschreibungen, die nur benachbarten Text wiederholen oder lediglich sagen, dass es sich um ein „Bild“ handelt.
7. Kontrollieren Sie Links und interaktive Elemente
Linktexte sollten auch ohne den umgebenden Absatz verständlich sein. Wiederholte Formulierungen wie „hier klicken“ sind schwerer zu navigieren als beschreibende Linktexte. Enthält das PDF Formularfelder, Annotationen oder andere interaktive Elemente, prüfen Sie, ob diese in der Struktur abgebildet sind und ohne Maus erreicht und verstanden werden können.
8. Verstehen Sie PDF/UA und WCAG als verwandt, aber nicht identisch
PDF/UA ist der PDF-spezifische Standard für die technische Konformitätsprüfung. WCAG beschreibt breitere Ziele für die Barrierefreiheit digitaler Inhalte. Beide überschneiden sich etwa bei Textalternativen, Struktur und sinnvoller Navigation. Eine PDF/UA-Prüfung ersetzt jedoch keine vollständige WCAG-Bewertung, und eine allgemeine WCAG-Checkliste untersucht das PDF-Dateiformat nicht in derselben technischen Tiefe.
Der Ratgeber PDF/UA oder WCAG: Was gilt für PDFs? erklärt die Unterschiede. Entscheidend ist die Aufgabenteilung: Automatische Validierung für Regeln, die Software nachweisen kann; manuelle Prüfung für Bedeutung und Nutzungserfahrung.
9. Korrigieren Sie möglichst die Quelldatei und prüfen Sie erneut
Wenn das PDF aus Word, PowerPoint, InDesign oder einem anderen Autorenwerkzeug stammt, beginnen dauerhafte Korrekturen häufig in dieser Quelle. Verwenden Sie echte Überschriftenformatvorlagen, strukturierte Listen und Tabellen, verständliche Linktexte und passende Bildbeschreibungen und exportieren Sie anschließend mit aktivierten Barrierefreiheits-Tags.
Für Word beschreibt der Ratgeber Barrierefreies PDF aus Word erstellen die wichtigsten Einstellungen. Prüfen Sie nach Änderungen sowohl automatisch als auch manuell erneut. Ein einzelner Bearbeitungsschritt kann an anderer Stelle neue Strukturprobleme erzeugen.
Praktische Checkliste für die PDF-Barrierefreiheit
- Das PDF besitzt eine brauchbare Tag-Struktur.
- Dokumenttitel und Sprache sind sinnvoll festgelegt.
- Automatische PDF/UA-Befunde wurden geprüft und, soweit erforderlich, behoben.
- Die Lesereihenfolge wurde manuell kontrolliert.
- Überschriftenhierarchie und Listenstruktur entsprechen dem Inhalt.
- Tabellen haben verständliche Kopfzellen und Zuordnungen.
- Bilder besitzen passende Alternativtexte oder sind korrekt als dekorativ behandelt.
- Links und interaktive Elemente sind verständlich und per Tastatur nutzbar.
- Das fertige Dokument wurde dort mit assistiven Technologien geprüft, wo Kontext oder Risiko dies erfordern.
Geprüft am 12. September 2026. Grundlage: PDF/UA-1 (ISO 14289-1). Dieser Ratgeber beschreibt einen Prüfablauf; er ist keine Rechtsberatung. Ein automatisches Bestehen ist keine Zertifizierung der Barrierefreiheit oder Rechtskonformität.
Weitere Ratgeber
- Gilt das BFSG (European Accessibility Act) für mein Unternehmen? (Kostenloser Check)
- PDF/UA vs. WCAG 2.1: Was für Ihre Dokumente wirklich gilt
- Barrierefreies PDF aus Microsoft Word exportieren
- PDF-Kompatibilität prüfen: Funktioniert Ihr PDF überall?
- Fehlermeldungen bei getaggten PDFs: Bedeutung und Lösung